Im Gespräch mit Papier&Bleistift

Wir haben uns zu unserem Website Release mit den zwei Mitgliedern Dave und Marek, von der Papier&Bleistift Crew in Dortmund getroffen. In sehr entspannter Atmosphäre haben wir uns über ihr aktuelles Album Onomatopoesie und weiteren Topics unterhalten.

 

Zur Einleitung würden wir uns freuen, wenn ihr erst einmal die Mitglieder der Papier&Bleistift Crew vorstellt und wie fing alles an?

Dave: Mit Marcus (Marek Klippendichter) und mir ging’s los. Da fing das mit dem Gedanken an, dass wir doch zusammen Musik machen sollen. Zu Beginn haben wir noch auf fremden Beats gerappt, bis ich mir dann irgendwann die alte Beatmaschine von Florian (Punkt&Komma) gekauft und die ersten Beats gebaut habe, auf denen wir dann rappten. Irgendwann kam die Überlegung, „Cool, was machen wir jetzt?“ - Wir brauchen einen DJ. Ich habe Funkwyld auf SoundCloud kontaktiert und er war tatsächlich auf der Suche nach einer Crew. Wenn man ihn mal auflegen hört, merkt man einfach direkt, dass der Typ unglaublich den Plan von Hip Hop hat. Für uns war klar, dass er mit seinen abgefahrenen Cuts perfekt zu uns passt. Irgendwas fehlte aber immer noch, so bin ich dann auf Max gekommen, der mir auf der ersten WG Party in der Müllerbrücke ungefähr eine halbe Stunde besoffen ins Ohr gefreestyled hat und ich schon gar keine Lust mehr hatte ihm zu zuhören. Er ist mir dann irgendwann wieder eingefallen „Achja, du kennst da ja noch jemanden.“. Wir haben zusammen noch etwas auf free Beats gerappt bis wir uns immer häufiger getroffen haben und die ersten Tracks entstanden sind. Viele Sessions und ein Album später haben wir noch Flo durch diverse Band-Projekte kennengelernt. Er kam auf uns zu und hat gefragt, ob wir Lust haben mit ihm zusammen Musik zu machen. So hat sich das ergeben.

Marcus: Eigentlich war „Papier&Bleistift“ mit uns beiden als kleines Projekt geplant. Wir machen schnell eine EP. Was dann doch nicht so schnell ging. (lacht)

Was ist euch wichtig an eurer Musik? Wie würdet ihr den Papier&Bleistift Sound beschreiben?

Dave: Wir haben auf solche Fragen eigentlich immer geantwortet, dass wir Musik machen möchten, die wir noch nicht können. Das war also auch unser Anspruch, quasi über uns hinauszuwachsen. Einige Einflüsse, die in unseren Sound eingehen sind zum Beispiel von Dude&Phaeb. Das ist der jazzige Anteil von Papier&Bleistift. Bei unserem ersten Album „Zeichnungen“ waren es auf jeden Fall noch viele amerikanische Einflüsse. Das ist aber auch immer so eine Sache, man hat immer einen Vibe in dem man grade steckt. Beim zweiten Album ging es eher in die Richtung von „Wir haben Spaß und es geht nach vorne“ und das erste Album war eher richtig entspannt und zum Nachdenken. Deswegen ist das etwas schwierig für uns, unsere Musik in eine Schublade zu stecken. Jeder von uns hat seinen eigenen Stil und das zusammen ist Papier&Bleistift. Trotzdem wollen wir auch irgendwo eine Richtlinie haben und fokussieren uns daher eher auf Stimmungsalben.

Kommen wir zu eurem neuen Album Onomatopoesie (dt. Lautmalerei). Wie kann ich mir da so den Schaffungsprozess vorstellen?

Marcus: Es fing damit an, dass Flo unendlich viele Beats gebaut hat und jeden zweiten Tag welche davon in die Runde geschmissen hat. Dann ging es ans Texte schreiben. Bei diesem Album war es tatsächlich auch so, dass nach dem die Texte fertig geschrieben waren, wir die Texte nochmal aufgedröselt haben, um zu schauen, wie die jetzt mit den Beats rhythmisch genau anzupassen sind. Wir haben uns sehr intensiv damit befasst, wie Beat und Text miteinander stehen können. Daher war das ein anderer Schaffungsprozess als beim ersten Album, bei dem eher mehr der Session Charakter im Vordergrund stand. Das gemeinsame aufdröseln hat mir persönlich sehr weitergeholfen, was Selbstvertrauen und Bewusstheit am Mic angeht.


Dave: An manchen Tracks haben wir teilweise 3 Monate gearbeitet. Sind so oft ins Studio gegangen und es war klar wie wir diesen Crew Charakter, auch wenn es beispielsweise ein ganz entspannter Part ist, animieren können. Viele Backing Spuren, oft zusammen am Mic. Als wir zum Beispiel „Suppenköche“ aufgenommen haben war uns klar, wie der Part ist. Es war nie die Frage wo der andere einen backed. Ich war bei der finalen Aufnahme soweit, dass ich damit gespielt habe und bewusst Wörter weggelassen habe oder was nicht so betont habe, was ich normalerweise betont hätte, weil ich wusste die Crew ist im Rücken. Das war eine Metaebene beim Arbeitsprozess, die ich so vorher noch nicht hatte.


Wie nehmt ihr das bisherige Feedback zum Album wahr?

Dave: Durchweg positiv. Ich war sehr überrascht, da ich von uns allen am kritischsten war. Ganz böse gesagt, kann man das Album auch Kika verkaufen, sag ich immer gerne. Das ist schon eine Kunst für sich, ein teilweise echt roughes Rap Album zu machen, was kinderfreundlich ist. Da hätte ich nie gedacht, dass man das im Deutsch Rap heute noch schaffen kann. Das bringt uns auch sehr vielen Hörern näher. Wenn man sich zum Beispiel auch das Cover anguckt, es ist bunt, es ist warm und Onomatopoesie heißt auch Lautmalerei. Vom ersten Album „Zeichnung“ geht es zum zweiten mit der Malerei. Deswegen wollten wir auch Farbe reinbringen. Das ganze Album ist in sich sehr verzweigt, auch wenn jeder Track für sich steht und eine Geschichte erzählt. Ich glaube, das macht das Album vielen Leuten sehr zugänglich. Das Cover ist eigentlich auch total simple, aber da hat viel Arbeit dringesteckt.


Marcus: Die Farbklekse wurden so lange von Flo und einer Künstlerin übereinander gelayerd bis dann diese Mischung rauskam. Insgesamt liegt der eigene Produktionsanteil an unserem zweiten Album bei 100%, worauf wir schon sehr stolz sind.

Auf Onomatopoesie sind auch Features vertreten. Wie ist die Zusammenarbeit zwischen Yasar MC, der Kunstfabrik und euch entstanden? Marcus: Yasar haben wir 2016 beim Urban Arts kennengelernt und uns auch immer wieder öfter auf verschiedenen Jams gesehen. Wir haben irgendwann gesagt, lass uns doch mal eine Session starten so kam er uns öfters in Dortmund besuchen. Die Zusammenarbeit mit ihm war immer sehr produktiv. Deswegen wollten wir ihn auf dem Album auch nicht missen. Zur Kunstfabrik, das ist so unsere erste große Liebe in Dortmund und die gehören eh zu unserer erweiterten Crew. Dave: Die sind Papier&Bleistift wollen es aber nicht wahrhaben. (lacht) 3 Weitere Musiker haben auf eurem Album Platz gefunden. Wie entstand die Zusammenarbeit mit den dreien? Marcus: Die Zusammenarbeit entstand über das Bandprojekt. Da haben wir den Trompeter, Alexander Niermann, den Posaunisten Kiril Zafirov und Caro Frey, meine ehemalige Mitbewohnerin die auch Trompete spielt, aber vor allem eine unglaublich krasse Geigerin ist. Durch das Bandprojekt, welches von Flo und Joel angestoßen wurde, sind immer mehr Freundschaften entstanden, so dass wir dann nachgefragt haben ob die drei nicht auch auf dem Album vertreten sein wollen. Dave: Das bot sich einfach an. Die haben das Album auch zu dem gemacht was es ist, wenn man überlegt auf wie vielen Tracks die drei vertreten sind. Vor allem bei denen, die richtig Stimmung rüberbringen. Ich nenne da immer gerne „Pure Energie“. Der Track ist sehr ruhig, aber es steckt wirklich viel drin und das klappte in dem Fall nur mit den Bläsern. Meine Lieblingstracks des Albums sind derzeit „Pass It To The Left“ und „We Like To Jam“ inklusive dem richtig guten Musikvideo mit Yuto an der Kamera. Welche Lieder von Album haben euch persönlich besonders Spaß gemacht? Dave: Am meisten hat mir gefallen „Suppenköche“ aufzunehmen. „We Like To Jam“ ist auf einer Session entstanden, sprich die Vocals sind die Demo Versionen. Das waren die aller ersten Aufnahmen, was man am Ende des Tracks bei dem Crew Part auch bei den verschiedenen Lautstärken raushören kann. Ich kann mir das schon kaum anhören, weil das schon fast wehtut im Ohr. (lacht) „We Like To Jam“ gefällt mir nichtsdestotrotz am besten und „Suppenköche“ hat am meisten Spaß gemacht aufzunehmen. Marcus: Mein Favorit ist eigentlich „Do The Boogie“ welcher von Beatschmiede (Kunstfabrik) produziert wurde. Die Violine wurde auch selbst eingespielt und geht musikalisch wohl eher in die Disco Richtung. Das finde ich echt interessant daran. Euer zweites Album wurde released. Was schwebt euch in nächster Zeit vor? Marcus: Aus dem Crew Konstrukt haben wir noch eine Art Label gegründet und wollen auch immer mehr Solo Material veröffentlichen. In den nächsten 3-4 Wochen geht es los mit „Rechtfertigungen eines recht fertigen Jungen“, welches mit einer kleinen Feier auf Tape rauskommt. Die Leute von Tu ma kassette werden auch ein bisschen was dazu erzählen. Definitiv was für die Sammler! Zu dem hat Dave noch ein Album unter dem Namen „Warmes Rauschen“ rausgebracht. Ansonsten arbeiten wir natürlich Papier & Bleistift orientiert. Da ist grade die Überlegung überschaubare Projekte zu machen, welche in weniger als 3 Jahren zu realisieren sind. Noch ein Video dazu, zack auf Spotify und so weiter. Für die Kids halt. (lacht) Dave: Mit den Beat Alben bin ich jetzt erstmal durch. Ich möchte Crew intern wieder mehr machen. Vor allem möchte ich mich da um das Recording, Mix und Mastering kümmern, was auch mein zweites Standbein ist, welches ich mir grade aufbaue. Das läuft bisher ganz gut. Ich möchte das weiterhin als Nebenjob machen und das mit dem Papier & Bleistift Label passt da auch ganz gut. Marcus: Neben dem Solostuff, habe ich noch verschiedene neue Formationen gegründet. Zum einen mit MC Mikke und auch mit 1stHeir und "IchBinAlles" ist da noch was in der Mache.